Und keiner weiß, wann oder wie es passiert ist.
Echte Beziehung gestalten, statt nebeneinanderherleben.
Sie saßen abends nebeneinander auf dem Sofa.
Beide müde. Beide in sich gekehrt.
Kein Streit. Keine Vorwürfe. Und trotzdem dieses leise Gefühl:
„Wir haben uns auseinandergelebt.“
Niemand hatte es geplant.
Niemand hatte „aufgegeben“.
Und doch war Nähe irgendwann zu etwas geworden, das man vermisst, statt es zu erleben.
Viele Paare kommen genau an diesem Punkt an.
Nicht im Drama.
Sondern im Alltag.
Und fast immer beginnt dann die gleiche innere Rechnung: Wenn du dich mehr öffnen würdest …
Wenn du weniger Druck machen würdest …
Wenn du endlich anders wärst …
Doch genau hier liegt der Denkfehler, an dem so viele Beziehungsrettungsversuche scheitern.
Warum ihr euch auseinandergelebt habt – ohne es zu merken
Sich auseinandergelebt zu haben, bedeutet selten, dass keine Liebe mehr da ist.
Es bedeutet meist:
- dass Nähe durch Funktionieren ersetzt wurde
- dass Anpassung ehrlicher Begegnung im Weg steht
- dass Sicherheit wichtiger wurde als Wahrheit
Gerade bindungsängstliche Menschen ziehen sich zurück, wenn Nähe Erwartungen weckt.
Gerade verlustängstliche Menschen klammern, wenn Distanz Unsicherheit auslöst.
Beide wollen Verbindung.
Beide erzeugen – unbewusst – genau das Gegenteil.
Und beide hoffen insgeheim:
„Wenn der andere sich ändert, wird es wieder gut.“
Die stille Wahrheit: Beziehung beginnt nicht beim anderen
Echte Beziehung entsteht nicht dadurch,
dass dein Partner dich besser versteht.
Sie entsteht dadurch,
dass du dich selbst nicht mehr verlässt,
um die Beziehung aufrechtzuerhalten.
Viele Paare haben bereits alles versucht:
- Gespräche geführt
- Bücher gelesen
- Kompromisse geschlossen
- sich zusammen gerissen
Und trotzdem fühlen sie sich heute weiter voneinander entfernt als früher.
Warum?
Weil Nähe nicht durch Lösungen entsteht,
sondern durch Präsenz.
Und Präsenz beginnt immer bei dir.
Gut gemeinte Erwartung vs. gefühlte Interpretation
Was du meinst – und was beim Partner ankommt, sind oft zwei völlig verschiedene Dinge:
|
Gut gemeinte Erwartung |
Gefühlte Interpretation beim Partner |
|
„Ich wünsche mir mehr Nähe“ |
„Ich bin nicht genug“ |
|
„Ich will nur darüber reden“ |
„Ich werde kritisiert“ |
|
„Ich brauche Sicherheit“ |
„Ich soll mich einschränken“ |
|
„Ich will, dass wir uns mehr Mühe geben“ |
„Ich mache ständig etwas falsch“ |
|
„Ich will das Beste für uns“ |
„Ich werde kontrolliert“ |
Gerade bei Bindungs- und Verlustangst wirken Erwartungen wie ein unsichtbarer Druck.
Und Druck erzeugt entweder Anpassung oder Rückzug – aber keine echte Nähe.
Warum Veränderung bei dir beginnt (auch wenn das unfair klingt)
Vielleicht hast du dir lange gewünscht,
dass dein Partner dich endlich sieht.
Doch die entscheidende Frage lautet oft: Wo siehst du dich selbst nicht?
Wo hältst du Gefühle zurück, um keinen Konflikt zu riskieren?
Wo gehst du innerlich auf Abstand, obwohl du Nähe willst?
Viele Beziehungen sind nicht gescheitert,
sondern liegen auf Eis,
weil beide Profis darin geworden sind, sich selbst zu regulieren –
statt sich wirklich zu zeigen.
Ein leiser Wendepunkt
In einem Paar, das ich begleite, kam der Wendepunkt nicht durch ein Gespräch.
Sondern durch eine kleine Veränderung im Verhalten.
Nicht mehr erklären.
Nicht mehr fordern.
Nicht mehr hoffen, dass der andere es „endlich versteht“.
Sondern beginnen, sich ehrlich zu begegnen –
mit dem, was gerade da ist.
Unsicher. Unfertig. Echt.
Genau dort beginnt Beziehung wieder lebendig zu werden.
Vom Nebeneinander zurück ins Wir
Wenn Paare sich auseinandergelebt haben,
brauchen sie oft keine neuen Strategien –
sondern neue Erfahrungen.
Erfahrungen, die wieder Verbindung spürbar machen.
Ohne Druck. Ohne Drama. Ohne Schuld.
Genau daraus ist der Kurs „Vom Ich zum Wir“ entstanden:
nicht als Beziehungsratgeber,
sondern als Einladung, Beziehung wieder zu erleben –
bei dir selbst beginnend.
Denn echte Beziehung entsteht nicht,
wenn der andere sich ändert.
Sondern wenn du beginnst, wirklich da zu sein.
Für dich.
Und damit auch für den anderen.
Dein Uwe
P.S. Zu vielen Themen gebe ich ganz private Einblicke in mein Leben und mein Learning. Falls dich das interessiert, lies unter dem roten Button weiter…
Zu diesem Beitrag gibt es einen Kurs
Zum Jahreswechsel nehmen wir uns viel vor.
Mehr Nähe. Mehr Verbindung. Weniger nebeneinanderher.
Genau dafür habe ich den Onlinekurs „Vom Ich zum Wir“ entwickelt.
Über 13 Wochen bekommst du jede Woche eine einfache, wirkungsvolle Übung,
die eure Beziehung vertieft – oder deine Beziehung zu dir selbst stärkt.
Kein Workbook. Keine Theorie.
Sondern echte Veränderung im Alltag.
Für Paare und Singles.
Vom "ICH" zum "WIR"
Für Menschen, die echte Nähe wollen –
ohne sich dafür verbiegen zu müssen.
Wie das Thema der Woche mich betrifft
Bei diesem Thema brauche ich kein konkretes Beispiel, denn es betraf fast all meine Beziehungsversuche. Nach der ersten Verliebtheit – in der ich so ziemlich zu jedem wurde, was meine jeweilige Freundin sich wünschte – fühlte sich das Nebeneinanderher sicher und befreiend an.
Beziehung hieß für mich Anpassung und Konfliktvermeidung. Es war wichtig, dass es dem anderen gut ging. Wie es mir dabei ging, nahm ich kaum wahr, und es spielte auch keine Rolle. Ich hatte als Kind schon gelernt, dass die Bindung um jeden Preis zu beschützen ist. Ich allein bin verantwortlich für das Funktionieren der Beziehung, und dafür, dass es meiner Partnerin gut geht.
Wenn ich aufhöre, zu funktionieren und meine Rolle zu spielen, wird die Bindung zerbrechen – so meine tiefe Überzeugung. Meine Bedürfnisse und Gefühle haben hier keinen Raum – diesen kann ich nur in der Distanz nachgeben, wo keine Erwartung von außen entgegensteht. Die unbewusste Botschaft war: Nur allein kann ich „ich selbst“ sein – Beziehungen stehen im Konflikt damit, und sind deshalb bedrohlich.
Ich dachte oft: „Wenn meine Partnerin nicht so fordernd wäre, dann ginge es mir besser“. Doch ihre Forderungen entstanden aus der Unsicherheit, die aus meiner Distanzierung erwuchs. Wir beide fühlten uns unverstanden, wir dachten, der andere ist schuld. Der „Ach, wenn er sich doch nur ändern würde“-Teufelskreis beginnt. Wir hatten uns trotz bester Absichten auseinandergelebt.
Die Rettungsversuche
Dann kamen die Beziehungsgespräche. Jedes einzelne gespickt mit der Botschaft „Ich bin falsch – nicht gut genug“. Ich hätte viel dazu zu sagen gehabt, doch das erlaubte ich mir nicht. Ich trug doch die Verantwortung. Wenn ich meine Wahrheit aussprechen würde, verletzte ich meine Partnerin und beschädigte die Bindung. „Wenn ich die Klappe halte und Ja zu allem sage, wird alles gut“. Ich bin stark – ich halte das aus.
Die gute Miene zum bösen Spiel war selbstverständlich für mich, nur so kann Beziehung gelingen. Das war doch schon zu Kinderzeiten so. Nach jedem Gespräch ein neues Level der Anpassung. Natürlich ging das nur einige Tage gut, denn aus der Erschöpfung zog ich mich immer schneller, und auch länger zurück. Bis zum nächsten Beziehungsgespräch – oder Vorwurf – oder Urteil.
Wenn der Druck zu groß wurde, zog ich mich so weit zurück, dass meine Partnerin sich nur noch trennen konnte. Ein Befreiungsschlag. Erst einmal die Freiheit genießen, Energie tanken, für mich sein – und dann auf zum nächsten Verbiegungsversuch.
Doch es war nicht meine Partnerin, die mir mein „So-Sein“ verboten hat. Das war ich ganz allein – mit meinen kindlichen Überzeugungen und Erfahrungen. Ich habe mich selbst untergeordnet und mich in der Partnerschaft abgeschafft. Dass ich darin nicht vorkam, dass ich mich in der Beziehung verlor, habe ich selbst gemacht – mit meinen unbewussten Schutzstrategien.
Meistens hatten meine Partnerinnen ganz ähnliche Strategien, um sich zu schützen oder weniger verletzlich zu sein. Vielleicht hatten wir uns gar nicht auseinandergelebt? Vielleicht waren wir nie wirklich in Beziehung?
Sie hat sich nicht über mich gestellt – ich habe mich untergeordnet
Was passiert also, wenn ich mich nicht mehr verbiege? Wenn ich keine Rolle spiele, sondern ich selbst bleibe? Was wäre, wenn meine Wahrheit, meine Sorgen und meine Schwächen da sein dürfen, gerade in einer Partnerschaft? Bisher war die logische Folge ein Bindungsabbruch. Es hat viel zu lange gedauert, bis ich das infrage gestellt habe, denn all mein Tun und Wirken war mir nicht bewusst.
Nun bin ich auf diesem Weg, und der fühlt sich großartig an. Es waren keine großen Schritte, denn das fühlte sich viel zu bedrohlich an. Doch die gefühlte Freiheit, die sich einstellt, wenn ich auch nur eine kleine Facette von mir zeige und damit angenommen werde, ist überwältigend. Und der Mut wächst, mich immer mehr zu zeigen, mit alldem, was ich vorher glaubte, verbergen zu müssen.
Es geht nicht darum, mich sofort mit allen Mängeln und Sorgen zu zeigen.
Es geht darum, zu erkennen, dass ich es jederzeit tun könnte, ohne zurückgewiesen zu werden. Es geht darum, mich selbst, mit meinen Schwächen und Sorgen anzunehmen, und mich damit zuzumuten. Es geht darum, zu begreifen, dass dies keine Trennung erzeugt, sondern echte Verbindung, die sich leicht und gut anfühlt.
Ich erwische mich manchmal noch immer dabei, wie ich interpretiere, was meine Partnerin jetzt von mir erwarten könnte, und wovor ich sie bewahren müsste. Doch ich weiß jetzt, wie übergriffig es ist, ihr diese Selbstverantwortung abzusprechen. Und dann horche ich in mich hinein, was ich gerade denke, fühle oder brauche – und dann spreche ich es aus. So einfach gelingt Beziehung.
Reflexionsfragen
Glaubst du, dein Partner sei schuld am Nebeneinanderher?
Wie oft glaubst du zu wissen, wovor du deinen Partner schützen musst?
Erzeugst du damit Trennung, oder Verbindung?
Glaubst du zu wissen, was dein Partner an dir liebenswert findet, und was du verbergen musst?
Mach dir deine Beziehung schön,
Dein Uwe
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Themenstruktur "Beziehung retten"
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