Deine Angst vor Verantwortung hält dich in der Opfer Rolle

5
(2)

"Es liegt doch nicht an mir!" Wie deine Angst vor Verantwortung dich daran hindert, dein Beziehungsmuster zu erkennen

 

„Ich kann einfach nicht mehr!“ Corinna starrt auf ihr Handy. Ihre beste Freundin hat ihr geraten, sich endlich zu trennen. „Er tut dir doch nicht gut!“, hat sie gesagt. Und ja, vielleicht hat sie recht. Ihr Freund, Marc, ist unzuverlässig. Mal zeigt er Interesse, mal distanziert er sich. Corinna fühlt sich oft zurückgewiesen und kämpft darum, die Beziehung am Leben zu halten.

„Warum finde ich immer solche Männer?“, fragt sie sich verzweifelt.

Marc ist doch das Problem – oder?

Warum es leichter ist, die Schuld im Außen zu suchen

Corinna ist überzeugt, dass Marc die Ursache für ihr Leiden ist. Doch was sie nicht sieht: Es gibt ein Muster, das sich in all ihren Beziehungen wiederholt. Sie verliebt sich immer wieder in Männer, die emotional unerreichbar sind. Und sie kämpft immer wieder darum, ihre Liebe „zu verdienen“.

Warum?

Weil es leichter ist, das Problem im anderen zu sehen. Es ist schmerzhaft, sich einzugestehen, dass man selbst in der Beziehungsmisere eine Rolle spielt. Denn das würde bedeuten, dass sie Entscheidungen treffen müsste – und Verantwortung übernehmen.

Und genau hier liegt der blinde Fleck.

Unser ganzes Leben ist bequem, um unsere blinden Flecke eingerichtet. Es fühlt sich normal an, weil unser destruktives Verhalten so alt ist wie wir selbst. Das betrifft nicht nur die Opferhaltung, sondern sämtliche Schutzstrategien, welche die Bindung oder den Selbstwert schützen sollen.

Am Beispiel der Opferhaltung zeigt sich sehr deutlich, dass wir unsere Probleme selbst erschaffen. Wir glauben – das Leben, unsere Beziehungen und die Umstände sind unser Schicksal. Die Angst vor Verantwortung bewahrt uns jedoch vor unserer Selbstwirksamkeit und hält unseren Selbstwert klein.

Doch wenn wir genau hinsehen, haben wir uns dieses Leben, die Beziehungen und auch die Umstände selbst erschaffen. Und wir haben unseren Selbstwert dafür geopfert.

  • Das, was wir entschieden haben, was wir geduldet haben, oder die Entscheidungen, die wir anderen überlassen haben, brachte uns an genau diese Stelle in unserem Leben, wo wir heute sind.
  • Wir haben unsere Macht abgegeben und andere für unser Glück verantwortlich gemacht.
  • Wir haben Umstände hingenommen und keine Grenzen gesetzt.
  • Wir wissen nicht, was wir wollen, oder setzen uns nicht dafür ein.
  • Wir wissen vor allem, was wir nicht wollen, und beklagen uns, statt zu handeln.
  • Andere haben keinen Respekt vor uns, und wir glauben, sie sind ungerecht.
  • Wir verwechseln Gleichmacherei mit Gerechtigkeit.
  • Wir glauben, wir haben einen Anspruch auf das, was andere haben, wollen jedoch nicht die Konsequenzen dafür tragen.
  • Wir verbiegen uns für eine Bestätigung von anderen, weil wir sie uns selbst nicht geben können.

All diese Verhaltensweisen torpedieren unseren Selbstwert.

  • Wir erwarten Anerkennung und Respekt von anderen und respektieren uns selbst nicht.
  • Sämtliche unserer Beziehungen laufen nach dem gleichen respektlosen Muster ab, doch wir glauben, das hätte nichts mit uns zu tun.

Wem auch immer du die Schuld gibst, dem gibst du die Macht über dich und deinen Selbstwert. Doch die Angst vor Verantwortung ist gerade mit bindungsängstlichen Verhaltensstrukturen nicht leicht zu erkennen. Sie ist oft unbewusst in der kindlichen Prägung verankert.

Als Kind haben wir richtigerweise sowohl die Ursache als auch die Lösung für unser Leid im Außen gesucht. Ob das so bleibt, hängt entscheidend mit dem Grad deiner Selbstwirksamkeitsüberzeugung zusammen, welche du dir im Verlauf deines Lebens aufbaust. Je wirksamer du dich fühlst, desto kleiner wird deine Angst vor Verantwortung.

Wie dich die Angst vor Verantwortung in der Opferrolle hält

Warum bleiben wir in Beziehungen, die uns unglücklich machen? Warum sagen wir: „Ich kann doch nichts dafür!“ – obwohl wir es eigentlich könnten?

💔 Weil es bequemer ist, in der Opferrolle zu bleiben. Wenn der andere das Problem ist, dann müssen wir uns nicht verändern. Dann liegt die Lösung nicht in unseren Händen.

💔 Weil wir tief im Inneren Angst vor Verantwortung haben. Verantwortung bedeutet, dass wir uns mit uns selbst auseinandersetzen müssen. Dass wir uns fragen müssen: Warum gerate ich immer wieder in solche Beziehungen? Warum lasse ich das zu?

💔 Weil es weh tut, sich einzugestehen, dass wir unser eigenes Unglück miterschaffen. Denn dann müssten wir aufhören zu hoffen, dass der andere sich ändert – und anfangen, selbst etwas zu verändern.

💔 Weil die psychologische Dynamik uns glauben lässt, dies sei der einzig richtige Weg. Obwohl der andere scheinbar schuld ist, tackert uns die Hoffnung an diese Bindung: Wenn ich meinen Partner bekehre oder rette, wird alles gut.

💔 Weil wir uns immer unser eigenes Selbstbild beweisen wollen. Opfer sein ist eine Lebenshaltung. Egal, was die Realität uns gibt, fokussieren wir uns zielgenau auf die Schuldigen und die Ungerechtigkeiten. Es ist unsere ganz persönliche Wahrheit.

💔 Weil wir nicht gelernt haben, Selbstverantwortung zu übernehmen. Die Story, die wir uns erzählen, also unsere Interpretation der Situation, verstellt uns den Blick auf die Möglichkeiten konstruktiver Lösungen. Diese erlernte Hilflosigkeit haben wir meist vorgelebt bekommen.

💔 Weil wir Mitleid mit Anerkennung verwechseln. Von Anderen bedauert zu werden, fühlt sich ein wenig wie Nestwärme an. Auch mit anderen über den ungerechten Partner zu lästern, vermittelt eine gewisse Zugehörigkeit und Bestätigung.

💔 Weil es viel bequemer ist, als sich selbst zu reflektieren. Mit dem Finger auf andere zu zeigen ist leichter, als seinen eigenen Anteil an der Situation zu erforschen. Wenn es diesen Anteil gäbe, kämen wir in eine Macht, die Veränderung in sich selbst erfordern würde. Damit schließt sich der Kreis zur Angst vor Verantwortung.

Corinna spürt diese Angst vor Verantwortung tief in sich. Was, wenn Marc gar nicht das Hauptproblem ist? Was, wenn sie sich selbst immer wieder in Situationen bringt, in denen sie leidet?

Das würde bedeuten, dass sie die Kontrolle hat. Und Kontrolle bedeutet auch: Sie kann nicht mehr nur darauf warten, dass sich alles magisch verändert. Sie muss selbst aktiv werden und sich ihrer Angst vor Verantwortung stellen.

 

Der Ausweg: Verantwortung übernehmen – und Freiheit finden

👉 Schritt 1: Den eigenen Anteil anerkennen
Julia kann anfangen, sich ehrlich zu fragen:

  • Was ist mein Anteil an diesem Beziehungsdrama?
  • Warum bleibe ich, obwohl ich leide?
  • Welche Angst hält mich davon ab, etwas zu verändern?

👉 Schritt 2: Die Komfortzone der Opferrolle verlassen

  • Ja, es ist bequem zu sagen: „Er ist das Problem.“ Aber wohin führt das? Immer wieder ins gleiche Leid.
  • Verantwortung zu übernehmen heißt nicht, sich die Schuld zu geben – sondern sich die Macht zurückzuholen.
  • Was ist der versteckte Nutzen meines Verhaltens? Wovor soll es mich beschützen?
  • Was will ich – statt was will ich nicht? Verbinde dich mit deinen Gefühlen und Bedürfnissen.

👉 Schritt 3: Entscheidungen treffen

  • Möchte ich weiterhin kämpfen und hoffen – oder will ich endlich eine erfüllte Beziehung führen?
  • Bin ich bereit, meine eigenen Muster anzusehen und zu durchbrechen?
  • Wenn ich mir dieses Leben erschaffen konnte, kann ich mir auch ein Leben erschaffen, in dem ich mich wohlfühle.
  • Kann ich die Angst vor Verantwortung ablegen und stolz auf die Dinge sein, die ich konstruktiv kreiere?

 

Fazit: Verantwortung macht frei

Corinna wird eines Tages erkennen: Solange sie in der Opferrolle bleibt, bleibt sie auch in unglücklichen Beziehungen. Ihre Angst vor Verantwortung hat sie davon abgehalten, sich selbst zu hinterfragen – und genau das hält sie in toxischen Mustern gefangen.

Doch wenn sie beginnt, hinzusehen und sich selbst zu verändern, dann passiert etwas Magisches: Sie wird nicht mehr in Beziehungen kämpfen müssen, weil sie einen Partner wählen wird, bei dem sie gar nicht erst kämpfen muss.

Sie wird Selbstwirksamkeit und Selbstwert in sich selbst verankern und nicht mehr auf die Bestätigung von außen angewiesen sein.

Sie wird sich selbst Respekt zollen und Vertrauen in sich gewinnen. Anerkennung von anderen wird dadurch unwichtig.

Die Wahrheit ist hart, aber sie befreit. Es ist nie nur der andere. Es beginnt immer auch bei dir selbst.

Mach dir dein Leben schön

Dein Uwe

P.S. Zu vielen Themen gebe ich ganz private Einblicke in mein Leben und mein Learning. Falls dich das interessiert , lies unter dem roten Button weiter.

Wie das Thema der Woche  mich betrifft

Als ich meine unbewusste Opferrolle ablegte, hatte das nur wenig mit Partnerschaften zu tun, aber jede Menge mit Beziehungen.

Es hatte mit den Beziehungen zu meinen Freunden, Mitarbeitenden, Geschäftspartnern, Kunden, Dienstleistern und Erwartungsträgern zu tun. Doch in allererster Linie mit der Beziehung zu mir selbst und zu meiner Realität.

Es war der Tag, als sich alles veränderte, weil ein Tropfen das Fass zum Überlaufen brachte. Es war der Tag, an dem ich meinen Zusammenbruch hatte und ein völlig neues Leben begann. Und es war der Tag, an dem ich meine Reise in die Persönlichkeitsentwicklung antrat und mein ganzes bisheriges Leben in Frage stellte.

Die Story

Ich saß eine gefühlte Ewigkeit in meinem Büro und heulte wie ein Schlosshund. Die Einzelheiten würden hier den Rahmen sprengen, aber ich fühlte mich scheinbar aus heiterem Himmel von der Gesamtsituation überfordert und absolut ohnmächtig. Und ich gab allem anderen die Schuld dafür. Den Mitarbeitenden, weil sie nicht taten, was ich erwartete. Den Umständen, weil sie immer schlimmer für mich wurden. Der Technik, weil sie scheinbar gegen mich war. Und den Kunden, weil sie nicht sehen konnten, dass ich hier das arme Opfer bin und gar nichts dafür konnte.

Doch am Ende dieses Tages stand ein Entschluss: So wie es ist, geht es keinen Tag weiter!

Die Erkenntnis

Wie ein Schlag traf mich die Erkenntnis, dass mich das Jammern und die Suche nach Schuldigen keinen Schritt weiterbringen wird. Es wird an der Situation nicht das Geringste verbessern. Es verstärkt nur meine Ohnmacht.

Mir wurde klar, dass ich mir dieses Leben und diese Realität selbst erschaffen habe. Ich kann niemandem außer mir selbst die Schuld zuschieben.

Ich habe diese Firma gekauft und mich verschuldet. Ich habe den Mietvertrag unterschrieben und mich von meiner damaligen Partnerin aussuchen lassen. Ich habe Dinge geduldet, weil mir Harmonie wichtiger war als meine Grenzen. Ich habe Entscheidungen so lange aufgeschoben, bis ich keine Wahl mehr hatte oder andere für mich entschieden.

Ich habe veraltete Betriebsmittel gekauft und schlecht gewartet. Ich habe diese Mitarbeiter eingestellt und schlecht geführt. Ich hatte seit Jahren keinen freien Tag mehr, weil ich mich zu wichtig nahm, kein Vertrauen hatte und deshalb keine Aufgaben abgeben konnte. Und die Umstände und die Finanzen haben sich verschlechtert, weil ich an alten Betriebsabläufen festgehalten habe.

Ich könnte die Liste ewig weiterführen, alles, was ich in meinem Leben fand, hatte ich selbst zu verantworten. Für die wenigen Dinge, die ich nicht zu verantworten hatte (wie Schicksalsschläge, Unfall, Krankheit, Wirtschaftslage etc.), trug ich zumindest die Verantwortung, wie ich damit umging.

Nie zuvor hatte ich das so gesehen. Noch kurz vor meinem Zusammenbruch hätte ich geschworen, dass alles in Ordnung ist. In meiner Wahrnehmung war das völlig normal. Ich spürte noch nicht einmal eine Überforderung. Ein riesiger blinder Fleck über meiner Realität.

Ein erster Schritt

Ich erkannte, dass nur zielgerichtetes Handeln etwas verändert.

  1. Die Situation so wie sie ist anerkennen,
  2. die Verantwortung dafür übernehmen,
  3. nach einer geeigneten Lösung suchen,
  4. den ersten Schritt in diese Richtung gehen.

Dieser erste Schritt setzte eine Dynamik in Gang, in der auch meine Mitarbeitenden dem Beispiel folgten. Sie übernahmen ebenfalls Verantwortung, sodass die Kuh innerhalb weniger Stunden vom Eis war.

Wie so oft im Leben brauchte ich eine Krise, um mich zu reflektieren. Dafür bin ich ewig dankbar, denn was sich dadurch veränderte, war einfach unfassbar.

Durch meine Selbstverantwortung lernte ich Selbstfürsorge, ich lernte anderen zu verzeihen, dass jeder Mensch für sich gesehen immer recht hat, Perspektiven zu wechseln und so vieles mehr.

Ich habe innerhalb kurzer Zeit meine Firma, mein Leben, meine Finanzen, meine Fitness, mein Umfeld, mein Selbstvertrauen, meinen Selbstwert und meine Beziehung krass ins Positive verändert. Und das durch eine einzige Entscheidung. 

Was brauchst du, um diese Entscheidung zu treffen?

Welche wiederkehrenden Ergebnisse in deinem Leben weisen auf einen blinden Fleck in deiner Wahrnehmung hin?

Wo gibst du deine Macht ab, weil es bequemer ist, andere zu beschuldigen?

Was könntest du bewegen, wenn du die Verantwortung übernehmen würdest?

Mach dir deine Beziehung schön,

Dein Uwe

Teile diesen Beitrag ganz einfach mit einem Klick auf:

Facebook
LinkedIn
WhatsApp
Pinterest

Wie hilfreich war dieser Beitrag?

Klicke auf die Sterne um zu bewerten!

Durchschnittliche Bewertung 5 / 5. Anzahl Bewertungen: 2

Bisher keine Bewertungen! Sei der Erste, der diesen Beitrag bewertet.

Weil du diesen Beitrag nützlich fandest...

Folge uns in sozialen Netzwerken!

Es tut uns leid, dass der Beitrag für dich nicht hilfreich war!

Lasse uns diesen Beitrag verbessern!

Wie können wir diesen Beitrag verbessern?

Schreibe einen Kommentar