Es liegt nicht an dir, du hast etwas Besseres verdient
1. Ist er der richtige – oder mache ich mir nur etwas vor?
Jana sitzt auf ihrer Couch, das Handy in der Hand. Ihr Herz schlägt schneller, als sie die Nachricht eintippt: „Es liegt nicht an dir. Du bist toll, wirklich. Ich glaube einfach, dass du jemand Besseren verdient hast.“ Sie starrt auf den Bildschirm, kämpft mit sich selbst. Ist es die Wahrheit? Oder ist es die bequemste Lüge, um sich aus dieser Beziehung zu stehlen? Jana weiß es nicht genau – oder vielleicht will sie es nicht wissen. Ist er der Richtige?
2. Warum wir gehen, obwohl wir eigentlich bleiben wollen
Und dann kommt die klassische Schutzstrategie: Ich rede es mir kaputt.
Sätze wie: „Ich bin nicht gut genug für dich.“, oder „Ich kann dir nicht das geben, was du brauchst.“ klingen erst einmal großzügig. In Wahrheit sind sie ein eleganter Rückzug, der dem anderen den schwarzen Peter zuschiebt, ohne sich mit den eigenen Ängsten auseinandersetzen zu müssen. Die Frage „Ist er der richtige?“ wird nicht mehr ehrlich geprüft, sondern als Ausrede genutzt, um sich selbst aus der Schusslinie zu nehmen.
3. Die unsichtbare Zerstörung des Selbstwerts
Für den Partner kann eine solche Trennung zutiefst verunsichernd sein. Wer verlassen wird, obwohl alles gut schien, bleibt oft mit der Frage zurück: „Warum bin ich nicht genug?“, oder “Gibt es da jemanden, der besser ist als ich?“ Besonders wenn ihm suggeriert wird, dass er eigentlich zu gut für die Beziehung sei, kann das paradoxerweise den eigenen Selbstwert ins Wanken bringen. Denn: „Wenn ich so wertvoll bin, warum hat es dann nicht gereicht? Ich kann mir selbst nicht vertrauen. Ich bin nicht liebenswert. So, wie ich bin, reicht es nicht.“
Langfristig hinterlassen solche Trennungen Spuren. Der Verlassene wird misstrauisch gegenüber zukünftigen Beziehungen, beginnt vielleicht, sich selbst kleiner zu machen, um beim nächsten Mal nicht wieder zu viel zu sein. Er beginnt sich zu schützen – sich nicht mehr so tief einzulassen, um nicht mehr so tief verletzt zu werden. Er wird vom Opfer zum Täter.
4. Die entscheidende Frage: Was steckt hinter der Flucht?
Wenn du dich selbst dabei ertappst, dass du in einer Beziehung an diesen Punkt kommst, halte inne. Frag dich ehrlich:
- Bin ich wirklich unglücklich oder habe ich einfach Angst vor Nähe?
- Fühle ich mich eingeengt – oder bin ich vor allem mit meinen eigenen Mustern konfrontiert?
- Sehe ich plötzlich nur noch seine „Fehler“, weil ich insgeheim Distanz brauche?
Diese Angst vor Nähe ist auch die Keimzelle vieler On-off-Beziehungen, denn nach der Trennung ist die Freude über die neugewonnene Autonomie meist kurz. Ohne Partner hat die Bindungsangst keinen Gegner mehr, und die Sehnsucht nach dem Expartner wird groß. Die angstgetriebene Story „Ist er der richtige?“ kommt dir plötzlich dumm vor. Denn jetzt siehst du ihn aus einer völlig anderen Perspektive: „Eigentlich war es doch schön mit uns beiden.“
Leider beginnt das Spiel oft immer wieder von Neuem, falls sich dein Partner darauf einlässt. Was du damit in deinem Partner anrichtest, könntest du dir vorstellen, wenn du das wolltest. Denn er erlebt genau jene Ohnmacht, Zurückweisung und Selbstzweifel, die du unbewusst mit deinem Verhalten vermeiden willst. (Täter-Opfer-Perversion)
5. Die du aus dem Muster aussteigen kannst
Anstatt sofort nach einem Ausweg zu suchen, versuche, bei dir zu bleiben:
- Sprich deine Ängste aus. Dein Partner kann nur verstehen, was in dir vorgeht, wenn du es teilst.
- Fühle in dich hinein. Ist es wirklich die Beziehung – oder deine alten Schutzmechanismen?
- Hol dir Unterstützung. Bindungsangst lässt sich nicht durch reine Willenskraft „überwinden“, aber mit Reflexion und Begleitung kannst du neue Wege gehen.
Wenn du merkst, dass du immer wieder in dieses Muster fällst, stell dir eine andere Frage als „Ist er der richtige?“ – nämlich: „Bin ich bereit, mich auf eine echte Beziehung einzulassen?“
Denn manchmal ist die Nähe gar nicht das Problem. Sondern die Angst, sie wirklich zuzulassen.
Dein Uwe
P.S. Zu vielen Themen gebe ich ganz private Einblicke in mein Leben und mein Learning. Falls dich das interessiert, lies unter dem roten Button weiter…
Wie das Thema der Woche mich betrifft
Aus einigen Beziehungen habe ich mich so wie im Beitrag, oder so ähnlich heraus gestohlen. Dabei ging es rückblickend nie um den Partner. „Ist er der richtige?“, war zwar immer meine Frage, doch dahintersteckte stets die Angst, mich selbst aufzugeben. Meine Autonomie zu verlieren, welche überwiegend darin geprägt war, mich nicht anpassen zu müssen.
Meine höchsten Werte waren immer Unabhängigkeit, Freiheit und Souveränität. Heute weiß ich, dass dies wie bei den meisten Menschen, die diese Werte hochhalten, viel mehr mit mir und meiner Anpassungsallergie zu tun hat.
Die eigentliche Frage
Viele, die wie ich Unternehmer oder selbstständig sind, dürfen sich die Frage stellen, inwieweit sie sich etwas vormachen. Woher kommt diese Motivation, sich von niemandem bestimmen oder vereinnahmen zu lassen? Und wie gut sind wir darin, für unsere Werte und Bedürfnisse einzutreten? Welche Angst hält uns davon ab?
Die gleichen Fragen dürfen sich überzeugte Singles, Tierfanatiker oder Befürworter von Wochenend- bzw. Fernbeziehungen stellen.
Das Credo lautet stets: „Beziehung ist mir wichtig, aber nur zu meinen Bedingungen.“ Wer mehr will, fliegt raus. Nicht sofort, denn wir sind Meister im stillen Leiden. „Wir haben es lange versucht“, können wir uns so auf die Fahne schreiben. Doch in Wirklichkeit haben wir echte Beziehung immer vermieden.
Für meinen Teil kann ich sagen: Ich habe mich nicht mit meiner Angst oder mit meinen Zweifeln gezeigt. Ich habe nicht gesagt, dass mich etwas bedrückt, dass es etwas zum Klären gibt. Stattdessen habe ich so lange still gelitten und mich verbogen, bis ein Ausbruch unumgänglich war. Wer nach Fehlern sucht, wird Fehler finden. Meine Partnerinnen hatten bis zum Schluss keine Ahnung davon.
Was hat sich verändert?
Ich habe das Spiel mit seiner Dynamik durchschaut. Allein das war sehr heilsam. Nach der letzten Trennung habe ich mich hingesetzt und mich zum ersten Mal eingehend mit meinen Werten und Bedürfnissen beschäftigt. Was bedeutet für mich die perfekte Beziehung? Wie viel Autonomie und Verbindung brauche ich? Wie kann ich meine Bedürfnisse ansprechen, ohne in meine alte Ohnmacht zu fallen? Wie kann echte Augenhöhe gelingen?
Daraus ergab sich eine ganz neue Frage: Wie muss meine Partnerin sein und welche Eigenschaften muss sie mitbringen, damit dies gelingen kann? Dies war nun ein Profil, welches vorher nie auf meinem Partner-Radar aufgetaucht wäre. Da wir immer das finden, wonach wir suchen, habe ich diese Partnerin seit vielen Jahren an meiner Seite, und wir sind beide täglich dankbar dafür, dass wir uns finden durften.
Was ich in dieser Partnerschaft lernte, wäre auch in vielen meiner früheren Beziehungen hilfreich gewesen. Für mich, für meine Ex-Partnerinnen, und für die Beziehungen an sich. Doch jeder Fehler ist notwendig, damit der Impuls zur Veränderung möglich wird.
Wo leidest du still vor dich hin?
Findest du das fair, deinem Partner gegenüber?
Wie könntest du dich ohne Druck mit deinen Bedürfnissen zeigen?
Glaubst du wirklich, dein Partner lehnt dich dafür ab?
Mach dir deine Beziehung schön,
Dein Uwe
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Themenstruktur "Bindungsangst"
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