Er triggert mich – aber ist er wirklich das Problem? Wie Bindungsangst alte Wunden reaktiviert
Lisa und Tom sitzen beim Abendessen. Sie hat sich extra Mühe gegeben: Sein Lieblingsgericht gekocht, den Tisch schön gedeckt. Doch Tom nimmt nur sein Handy in die Hand und scrollt durch seine Nachrichten.
Etwas in Lisa zieht sich zusammen.
Plötzlich ist es, als würde sich eine innere Welle aus Wut und Schmerz aufbauen.
„Er interessiert sich nicht für mich. Ich bin ihm nicht wichtig.“
Lisa schweigt. Doch innerlich ist sie aufgewühlt.
Tom hat nichts gesagt, nichts Böses getan. Und trotzdem triggert er sie.
Aber warum?
Warum dein Partner deine tiefsten Wunden berührt
Fast jeder kennt es:
Manche Situationen mit dem Partner fühlen sich an, als würde jemand auf einen wunden Punkt drücken – immer wieder.
- Er meldet sich spät zurück → Du fühlst dich abgelehnt.
- Sie kritisiert dich → Du fühlst dich nicht gut genug.
- Er zieht sich zurück → Du hast Angst, verlassen zu werden.
Unser Partner scheint genau zu wissen, welche „Knöpfe“ er drücken muss.
Doch die Wahrheit ist:
Diese Knöpfe gab es schon lange, bevor dein Partner kam.
Was wirklich hinter dem „Er triggert mich“ steckt
Lisa hatte als Kind oft das Gefühl, dass sie für Aufmerksamkeit kämpfen musste. Ihr Vater war oft mit der Arbeit beschäftigt, ihre Mutter emotional nicht verfügbar. Sie wuchs mit der Überzeugung auf:
„Ich muss mich besonders anstrengen, damit ich gesehen werde.“
Heute, wenn Tom am Handy ist, fühlt es sich für sie an wie damals, mit ihren Eltern.
Ihr Körper erinnert sich an die alte Angst, übersehen zu werden.
Das ist das Verrückte an Triggern:
Es geht nie nur um das Hier und Jetzt – sondern um alte, unverarbeitete Gefühle.
Wie Bindungsangst alte Wunden aktiviert
Warum trifft uns das Verhalten unseres Partners oft so tief?
Bindungsangst sorgt für extreme Reaktionen:
Menschen mit Bindungsangst schwanken zwischen dem Wunsch nach Nähe und der Angst, verletzt zu werden. Wenn der Partner sie „triggert“, fühlt sich das existenziell an.
Trigger sind oft mit Kindheitserfahrungen verbunden:
Wenn du früher das Gefühl hattest, dass deine Bedürfnisse nicht zählen, wirst du besonders sensibel auf Situationen reagieren, die dieses Gefühl erneut auslösen.
Unser Unterbewusstsein sucht nach Bestätigung alter Glaubenssätze:
Hast du die Überzeugung „Ich bin nicht wichtig“, wirst du überall nach Beweisen suchen – und dein Partner wird (unbewusst) zum perfekten Test dafür.
Wie du mit deinen Triggern heilen kannst
1️⃣ Werde dir bewusst, dass es DEIN Trigger ist
Nicht dein Partner ist das Problem – sondern das, was sein Verhalten in dir auslöst.
2️⃣ Atme durch, bevor du reagierst
In der getriggerten Emotion wollen wir oft sofort handeln: Anschuldigen, uns zurückziehen, streiten. Aber wenn du kurz innehältst, kannst du bewusst entscheiden, wie du reagieren willst.
3️⃣ Frage dich: „Wann habe ich mich schon mal so gefühlt?“
Welches frühere Erlebnis erinnert dich an diese Situation? Ist es wirklich dein Partner – oder eine alte Wunde, die nach Heilung ruft?
4️⃣ Teile deine Gefühle, statt Vorwürfe zu machen
Statt „Du ignorierst mich!“ zu sagen, probiere: „Ich merke, dass ich mich übersehen fühle, wenn du am Handy bist. Das macht mich traurig.“
5️⃣ Arbeite an deinen alten Glaubenssätzen
Wenn du glaubst, nicht wichtig oder liebenswert zu sein, dann wird dich dein Partner immer wieder triggern – egal, wie er sich verhält. Diese Überzeugungen zu hinterfragen, kann dich langfristig befreien.
Fazit: Dein Partner ist nicht dein Feind – sondern dein Spiegel
Lisa hat inzwischen verstanden:
Tom ist nicht ihr Vater. Er ignoriert sie nicht absichtlich.
Das Gefühl, nicht gesehen zu werden, lebt in ihr – nicht in ihrer Beziehung.
Wenn wir merken: „Mein Partner triggert mich“, dann ist das eine Einladung, nach innen zu schauen.
Denn unser Partner ist oft nur der Spiegel für die Wunden, die wir heilen dürfen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ): Trigger in Beziehungen – Was du wissen solltest
1. Was sind Trigger in Beziehungen?
Trigger sind emotionale Auslöser, die starke Reaktionen in uns hervorrufen – oft, ohne dass wir genau wissen, warum. Sie entstehen, wenn das Verhalten unseres Partners eine alte, unverarbeitete Erfahrung auslöst.
2. Warum triggert mich mein Partner so oft?
Das Verhalten deines Partners erinnert dein Unterbewusstsein an frühere Verletzungen, oft aus der Kindheit. Dein Gehirn verbindet die aktuelle Situation mit alten Erfahrungen und reagiert, als wäre die alte Gefahr wieder real.
3. Sind Trigger ein Zeichen dafür, dass die Beziehung nicht passt?
Nicht unbedingt! Trigger sind eine Chance zur Heilung. Wenn du verstehst, woher deine Reaktionen kommen, kannst du alte Muster auflösen und eine tiefere Verbindung in deiner Beziehung aufbauen.
4. Wie erkenne ich, dass ich getriggert wurde?
Typische Anzeichen sind: Plötzliche starke Emotionen (Wut, Angst, Traurigkeit)
Überreaktionen auf scheinbar harmlose Situationen
Das Gefühl, „wie ferngesteuert“ zu handeln
Drang, sofort zu streiten oder sich zurückzuziehen
5. Was kann ich tun, wenn ich getriggert werde?
Atem holen – Nicht sofort reagieren, sondern innehalten
Gefühl benennen – Was fühle ich gerade?
Vergangenheit reflektieren – Woher kenne ich dieses Gefühl?
Bewusst reagieren – Statt aus dem Schmerz heraus zu handeln, offen kommunizieren
6. Was soll ich tun, wenn mein Partner mich triggert?
Anstatt ihn oder sie zu beschuldigen, probiere: „Wenn du dich zurückziehst, fühle ich mich unsicher. Ich glaube, das hat mit meiner Vergangenheit zu tun. Ich möchte dir das nur erklären, damit du es verstehst.“
So schaffst du eine Verbindung, statt eine Abwehrhaltung zu provozieren.
7. Kann ich verhindern, getriggert zu werden?
Nicht vollständig – aber du kannst lernen, besser damit umzugehen! Indem du deine eigenen Wunden heilst, wirst du weniger heftig reagieren und stattdessen bewusst handeln.
8. Was, wenn mein Partner meine Trigger ignoriert oder ausnutzt?
Ein achtsamer Partner wird sich bemühen, deine Gefühle ernst zu nehmen. Falls dein Partner deine Trigger absichtlich verstärkt oder ignoriert, kann es sinnvoll sein, die Dynamik eurer Beziehung zu hinterfragen.
9. Sind Trigger immer negativ?
Nein! Sie zeigen dir, wo in dir noch Heilung nötig ist. Wenn du sie als Wegweiser nutzt, kannst du nicht nur deine Beziehung verbessern, sondern auch dein persönliches Wachstum fördern.
10. Kann Coaching helfen, Trigger zu verstehen und aufzulösen?
Ja, ein Coaching kann dir helfen, deine emotionalen Auslöser zu identifizieren, alte Muster zu durchbrechen und neue Strategien zu entwickeln, um gelassener auf Trigger zu reagieren.
Möchtest du lernen, deine Trigger zu entschärfen und tiefere Beziehungen aufzubauen? Dann lass uns gemeinsam daran arbeiten.
Dein Uwe
P.S. Zu vielen Themen gebe ich ganz private Einblicke in mein Leben und mein Learning. Falls dich das interessiert, lies unter dem roten Button weiter …
Wie das Thema der Woche mich betrifft
Ich trage vermeintlich gut geschützte Knöpfe in mir, und manche sind sehr offensichtlich. Die direkte Konfrontation mit meinem Selbstzweifel triggert mich sehr stark, während die in Watte gepackten Knöpfe scheinbar kaum existieren. Doch gerade diese haben es in sich. Ich werde auf beide Arten eingehen, um den Unterschied deutlich zu machen.
Mein Selbstzweifel triggert mich:
Ich freute mich auf meine damalige Partnerin und bereitete mit besonderer Sorgfalt und Liebe ein leckeres Abendessen. Ich dekorierte den Tisch ansprechend und sorgte dafür, dass alles fertig war, als sie von der Arbeit kam. Ich stellte mir vor, wie sie sich darüber freut und das Essen mit mir zusammen genießt. Ich freute mich auf einen romantischen Abend.
Und dann kam sie – mit einem laufenden Handygespräch. Sie drückte mich kurz und setzte sich zum Essen. Sie telefonierte während des ganzen Essens und noch lange darüber hinaus. Ich konnte sehen, dass sie sich darüber freute, als das Abendessen bereitstand, doch ihr ganzer Fokus lag auf ihrem Gespräch. Das Essen war nur etwas, was sie beim Telefonieren behinderte. Danach stand sie eilig auf und telefonierte in einem anderen Raum weiter.
Ich denke, die meisten von euch kennen eine ähnliche Situation. Wir geben uns Mühe, um unsere Liebe zu beweisen, und unser Partner nimmt es gar nicht wahr. Das ist doch selbstverständlich.
Ich war enttäuscht, traurig und wütend. Meine Prägung verbat es mir, nach außen wütend zu sein, also machte ich es wieder einmal mit mir selbst aus. Ich richtete die Wut gegen mich und zweifelte noch mehr an mir und meinem Wert.
Doch es war weit mehr als das. Das hier ging richtig tief rein.
Damals hatte ich keine Ahnung, warum mich das so tief traf, doch aus heutiger Sicht ist klar, dass diese Situation meine tiefsten Glaubenssätze und Ängste bestätigte. Egal, wie sehr ich mich anstrenge, ich werde übersehen. Es gibt immer jemanden oder etwas, der oder das wichtiger ist als ich. Diese Ohnmacht ist unbeschreiblich, doch jeder, der so einen Trigger-Knopf hat, weiß, was ich meine.
Diese Situation war trotz aller inneren Schmerzen eine wertvolle Lektion für mich, denn auch ich nahm häufig ihre Bemühungen für selbstverständlich. Ich gehe seitdem mit einem ganz anderen Blick – einer neuen Perspektive durch die Welt. „Es gibt keine alltäglichen Situationen!“
Meine Angst vor Bindung oder Verlust triggert mich:
Das Thema „Trigger“ und „Knöpfe drücken“ hat im bindungsängstlichen Kontext ein ganz anderes Niveau. Unsere Knöpfe sind nicht an einer Stelle, wo der Partner unter Umständen mal zufällig draufkommen könnte, wir tragen ihn ganz zentral vor uns her. Es geht um die Themen Distanz und Nähe – genauer um die Themen Verlustangst und Bindungsangst.
Es geht um ein Thema, das in jeder Beziehung zwangsweise immer wieder getriggert wird. Da wir Bindungsängstlichen uns meist Partner suchen, die das gegensätzliche Thema in sich tragen, ist der Knopf annähernd täglich am Anschlag. Doch wir haben seit unserer Kindheit Strategien etabliert, die unseren Knopf vor Kontakt schützen sollen, und diese sind noch immer wirksam.
Es sind all die Strategien, die in meinem Test abgefragt werden, und die ich sehr umfangreich selbst angewendet habe.
Ich habe mich nicht auf den Partner eingelassen und mich nicht gezeigt, denn die Angst vor Zurückweisung triggert mich. Ich vermeide es, dass mein Partner zu viel über mich erfährt, denn wenn er erkennt, wie ich wirklich bin, wird er mich verlassen.
Zu viel Nähe oder Intimität triggert mich? Beziehungen, die unverbindlich sind oder aus der Ferne bestehen, schützen meinen Knopf.
Zu erwarten, dass die Beziehung ohnehin nicht hält, gibt mir ebenfalls das Gefühl der Kontrolle.
Abgelehnt zu werden, triggert mich, also passe ich mich an, verbiege mich und tue alles, um meinem Partner zu gefallen. Auch das gibt mir ein Gefühl der Kontrolle und packt scheinbar meinen Knopf in Watte.
Diese – und all die anderen Strategien beschützen uns davor, dass unsere alte Wunde getriggert wird, doch sie schützen uns auch vor erfüllenden und echten Beziehungen. Diese meist unbewussten Strategien fühlen sich so logisch und plausibel an, doch sie zerstören auch die beste Beziehung nachhaltig und oft lautlos.
Es bedeutet nicht zwangsläufig die Trennung – auch eine lieblose Beziehung, in der jeder sein eigenes Ding macht, kann das Ergebnis sein. Beide Partner haben resigniert, doch der Schein einer Beziehung ist besser als alleine zu sein.
Wo befindet sich dein Knopf?
Welche alte Wunde triggert er in dir an?
Hat das wirklich etwas mit deinem Partner zu tun?
Was würde sich verändern, wenn du deine Wunde in dir heilen könntest?
Mach dir deine Beziehung schön,
Dein Uwe
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Themenstruktur "Selbstbewusstsein stärken"
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