Warum will ich Menschen die mich nicht wollen?

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Wenn emotionale Unverfügbarkeit zur Sehnsucht wird.

Warum du immer wieder Menschen willst, die dich nicht ganz wollen

Du kennst ihn vielleicht schon.

Diesen Menschen, bei dem du von Anfang an spürst:
Da ist etwas.

Die Gespräche sind intensiv. Die Anziehung ist stark. Wenn ihr zusammen seid, fühlt es sich besonders an.

Und trotzdem bleibt da dieses kleine Fragezeichen.

Er meldet sich nicht so oft, wie du es dir wünschen würdest.
Er sagt nicht eindeutig, was er fühlt.
Mal ist er dir sehr nah – und dann wieder erstaunlich weit weg.

Und genau dann passiert etwas Merkwürdiges:

Je weniger sicher du dir seiner bist, desto mehr beschäftigt er dich.

Du wartest auf seine Nachricht.
Du analysierst seine Worte.
Du fragst dich, was sein Rückzug bedeutet.
Du überlegst, ob du etwas falsch gemacht hast.

Und irgendwo in dir entsteht dieser Gedanke:

„Warum stehe ich immer wieder auf Menschen, die mich nicht wollen?“

Doch die Hoffnung sagt:

„Wenn er mich irgendwann wirklich will, dann weiß ich, dass ich ihm etwas bedeute.“

Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem es interessant wird.

Denn manchmal geht es gar nicht nur um diesen Menschen.

Manchmal geht es um das Gefühl, endlich von jemandem gewählt zu werden, der sich bisher nicht ganz entscheiden konnte.


Warum wollen wir manchmal Menschen, die uns nicht ganz wollen?

Auf den ersten Blick klingt es widersinnig.

Du möchtest geliebt werden.
Du möchtest Nähe.
Du möchtest einen Menschen, der sich für dich entscheidet.

Warum suchst du dir dann immer wieder jemanden aus, bei dem genau das nicht selbstverständlich ist?

Eine mögliche Antwort ist:

Weil Unsicherheit sich manchmal intensiver anfühlt als Sicherheit.

Nicht unbedingt besser.

Aber intensiver.

Wenn jemand emotional verfügbar ist, sich klar zu dir bekennt und dir das Gefühl gibt: „Ich bin da“, entsteht vielleicht Ruhe.

Wenn jemand dagegen mal Nähe zulässt und sich dann wieder zurückzieht, beginnt dein Inneres zu arbeiten.

Was fühlt er wirklich?
Warum meldet er sich nicht?
Was muss ich tun, damit er sich öffnet?
Bin ich ihm wichtig?
Warum ist er mit mir so anders?

Plötzlich wird aus einer Beziehung eine Aufgabe.

Und aus einem Menschen, den du liebst, wird jemand, dessen Liebe du gewinnen möchtest.


Vielleicht willst du nicht ihn. Vielleicht willst du endlich die Gewissheit.

Das klingt zunächst hart.

Aber schau einmal genauer hin.

Was wäre, wenn dieser Mensch morgen zu dir sagen würde:

„Ich liebe dich. Ich will mit dir zusammen sein. Ich bin mir sicher.“

Würde dann die ganze Spannung verschwinden?

Würdest du dich entspannen?

Oder würdest du plötzlich feststellen, dass du gar nicht weißt, wie sich eine Beziehung anfühlt, in der du nicht kämpfen, warten, hoffen und interpretieren musst?

Das ist eine wichtige Frage.

Denn manchmal hängt unsere Sehnsucht weniger an der Person als an dem Gefühl:

„Wenn dieser Mensch mich endlich ganz will, bin ich endlich sicher, dass ich liebenswert bin.“

Und dann bekommt seine Entscheidung über dich eine Bedeutung, die eigentlich viel größer ist als diese eine Beziehung.


Emotionale Unverfügbarkeit kann Sehnsucht verstärken

Ein emotional verfügbarer Mensch ist nicht jemand, der rund um die Uhr verfügbar ist.

Er darf eigene Bedürfnisse haben.
Er darf Zeit für sich brauchen.
Er darf auch einmal unsicher sein.

Emotionale Verfügbarkeit bedeutet vielmehr, dass grundsätzlich die Bereitschaft da ist, in Beziehung zu gehen.

Gefühle anzusprechen.
Nähe zuzulassen.
Verantwortung für die Beziehung zu übernehmen.
Sich mit dem anderen auseinanderzusetzen.

Bei emotionaler Unverfügbarkeit kann dagegen etwas anderes entstehen:

Du bekommst immer wieder ein bisschen Nähe – aber nie wirklich genug.

Und genau dieses „fast“ kann unglaublich bindend sein.

Du hast nicht nichts.

Du hast immer wieder kleine Momente, die dir Hoffnung geben.

Eine liebe Nachricht.
Ein intensives Gespräch.
Ein wunderschöner Abend.
Ein „Ich vermisse dich“.
Ein kurzer Moment von Nähe.

Und danach wieder Distanz.

So entsteht leicht ein inneres Warten:

„Vielleicht wird es diesmal anders.“


Wenn du Nähe willst und trotzdem immer wieder auf Distanz triffst

Besonders interessant wird es bei Menschen, die selbst mit Bindungsangst oder Verlustangst kämpfen.

Denn dann kann ein emotional nicht ganz verfügbarer Partner unbewusst etwas ermöglichen:

Du kannst dir Nähe wünschen, ohne sie vollständig erleben zu müssen.

Das klingt paradox.

Aber stell dir vor, du hast Angst davor, wirklich gesehen zu werden.

Dann ist ein Partner, der sich ebenfalls nicht ganz öffnet, möglicherweise vertrauter, als jemand, der wirklich wissen möchte, was in dir vorgeht.

Oder du hast große Angst davor, verlassen zu werden.

Dann kann ein Partner, dessen Gefühle unsicher sind, diese Angst ständig aktivieren.

Du bist emotional beschäftigt.

Aber beschäftigt zu sein ist nicht dasselbe wie verbunden zu sein.

Und genau das wird häufig verwechselt.


Checkliste: Will ich diesen Menschen – oder kämpfe ich um seine Entscheidung?

Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Gedanken wieder:

Was ich denke oder hoffeWas möglicherweise dahintersteckt
„Wenn er sich endlich öffnet, wird alles gut.“Ich hoffe auf die Bestätigung, dass ich wichtig bin.
„Ich muss ihm nur zeigen, dass ich anders bin.“Ich versuche, seine Zuneigung zu verdienen.
„Er hat einfach Angst vor Nähe.“Ich erkläre seine Distanz, statt sie ernst zu nehmen.
„Eigentlich liebt er mich, er kann es nur nicht zeigen.“Ich halte mich an Möglichkeiten statt an seinem tatsächlichen Verhalten fest.
„Wenn ich jetzt loslasse, war alles umsonst.“Ich möchte den emotionalen Einsatz nicht vergeblich gewesen sein lassen.
„Warum will er mich nicht so, wie ich ihn will?“Seine Entscheidung wird zum Maßstab meines Selbstwertgefühls.
„Mit ihm fühlt es sich einfach intensiver an.“Unsicherheit kann sich wie starke Anziehung anfühlen.
„Ich brauche nur noch ein bisschen Geduld.“Ich verschiebe meine eigenen Bedürfnisse immer weiter nach hinten.

Keine dieser Aussagen bedeutet automatisch, dass du in einer ungesunden Beziehung bist.

Aber sie können ein Hinweis sein, genauer hinzuschauen.


Vielleicht ist nicht deine Liebe das Problem

Wenn du immer wieder Menschen willst, die dich nicht ganz wollen, ist die schnelle Antwort oft:

„Dann such dir doch einfach jemanden, der dich will.“

Das klingt logisch.

Hilft aber häufig nicht.

Denn wenn dahinter ein Beziehungsmuster steckt, wirst du mit einem anderen Menschen nicht automatisch ein anderer Mensch.

Du kannst einen emotional verfügbaren Partner kennenlernen – und plötzlich merken:

Warum fühlt sich das so langweilig an?
Warum fehlt dieses Kribbeln?
Warum habe ich nicht dieselben starken Gefühle?
Warum bin ich plötzlich unsicher, obwohl er mich doch will?

Und genau hier lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Denn vielleicht hast du über längere Zeit gelernt, Anspannung mit Liebe und Ruhe mit Langeweile zu verwechseln.

Nicht weil mit dir etwas falsch ist.

Sondern weil dein Inneres bestimmte Formen von Nähe kennt.


„Aber ich kann doch nichts dafür, in wen ich mich verliebe.“

Das stimmt.

Gefühle lassen sich nicht auf Knopfdruck auswählen.

Du kannst dir nicht einfach sagen:

„Ab morgen finde ich emotionale Verfügbarkeit attraktiv.“

So funktioniert Liebe nicht.

Aber du kannst lernen, zwischen Gefühl und Entscheidung zu unterscheiden.

Du kannst jemanden vermissen – und trotzdem erkennen, dass dir diese Beziehung nicht guttut.

Du kannst starke Gefühle haben – und trotzdem fragen:

„Wie behandelt mich dieser Mensch tatsächlich?“

Du kannst hoffen – und trotzdem sehen, was gerade wirklich passiert.

Und du kannst jemanden lieben, ohne deine eigenen Bedürfnisse dafür aufzugeben.

Das ist ein wichtiger Unterschied.


Was bedeutet emotionale Verfügbarkeit eigentlich?

Vielleicht hilft eine ganz einfache Frage:

Ist dieser Mensch emotional erreichbar, wenn es schwierig wird?

Nicht nur dann, wenn alles leicht ist.

Nicht nur beim Sex.
Nicht nur im Urlaub.
Nicht nur an einem schönen Abend.

Sondern wenn du etwas brauchst.

Wenn ein Konflikt entsteht.

Wenn du verletzt bist.

Wenn eine Entscheidung ansteht.

Wenn Nähe unangenehm wird.

Emotionale Verfügbarkeit zeigt sich weniger in großen Liebeserklärungen als in vielen kleinen Dingen:

  • Ich kann mit dir über meine Gefühle sprechen.

  • Ich interessiere mich dafür, was in dir passiert.

  • Ich verschwinde nicht jedes Mal, wenn es emotional wird.

  • Ich kann Nähe zulassen, ohne meine Freiheit zu verlieren.

  • Ich kann Grenzen setzen, ohne dich abzuwerten.

  • Ich übernehme Verantwortung für meinen Anteil.

  • Ich bin bereit, gemeinsam an unserer Beziehung zu arbeiten.

Niemand erfüllt all diese Punkte perfekt.

Es geht nicht um Perfektion.

Es geht um grundsätzliche Bereitschaft zur Beziehung.


Und was ist mit dir?

Vielleicht ist die entscheidendere Frage deshalb nicht:

„Warum will er mich nicht?“

Sondern:

„Warum bleibe ich so lange bei jemandem, der mir nicht das geben kann, was ich brauche?“

Das ist keine Schuldfrage.

Es geht nicht darum, dir vorzuwerfen, dass du „immer die falschen Menschen“ auswählst.

Es geht darum, deine eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen.

Was brauchst du eigentlich?

Nähe?
Verbindlichkeit?
Zuverlässigkeit?
Zärtlichkeit?
Ehrlichkeit?
Interesse?
Gemeinsame Zukunft?

Und bekommst du das?

Nicht irgendwann.

Nicht vielleicht.

Nicht wenn er sich verändert.

Jetzt.


FAQ: Häufige Fragen zu emotionaler Unverfügbarkeit und Beziehungsmustern

Das kann verschiedene Gründe haben. Manchmal spielt Verlustangst eine Rolle, manchmal Bindungsangst oder ein gelerntes Beziehungsmuster. Auch starke Unsicherheit kann Gefühle intensivieren. Entscheidend ist, herauszufinden, was du mit der Person verbindest und welche Bedeutung ihre Zuneigung für deinen Selbstwert bekommen hat.

Wenn sich ein solches Beziehungsmuster wiederholt, kann es sinnvoll sein, nicht nur die Partner anzuschauen, sondern auch die eigene Vorstellung von Nähe. Manche Menschen fühlen sich unbewusst zu Beziehungen hingezogen, in denen Nähe nur teilweise möglich ist. Das kann vertrauter wirken als eine wirklich offene und verbindliche Beziehung.

Ein einzelnes Verhalten reicht dafür nicht aus. Auffällig kann jedoch sein, wenn jemand dauerhaft Schwierigkeiten mit emotionaler Nähe hat, Gespräche über Gefühle vermeidet, sich bei zunehmender Nähe regelmäßig zurückzieht oder keine Bereitschaft zeigt, gemeinsam an Beziehungsthemen zu arbeiten.

Nein. Die Begriffe werden häufig vermischt. Bindungsangst kann eine Rolle spielen, wenn jemand Nähe als bedrohlich erlebt und deshalb zurückweicht. Emotionale Unverfügbarkeit beschreibt eher, dass jemand emotional nicht oder nur eingeschränkt für eine verbindliche Beziehung erreichbar ist. Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein.

Unsicherheit kann sehr viel Aufmerksamkeit binden. Wenn du nicht weißt, woran du bist, beobachtest du den anderen stärker und denkst häufiger über die Beziehung nach. Diese starke innere Beschäftigung kann sich wie besonders große Liebe anfühlen, obwohl sie teilweise auch aus Angst, Hoffnung und Ungewissheit besteht.

Zuerst lohnt es sich, zwischen seinen Möglichkeiten und deinen Bedürfnissen zu unterscheiden. Du kannst einen anderen Menschen nicht dazu zwingen, emotional verfügbar zu werden. Du kannst aber klarer erkennen, was du brauchst, darüber sprechen und beobachten, ob dein Partner tatsächlich bereit ist, sich darauf einzulassen.

Wissen und Gefühle bewegen sich nicht immer im gleichen Tempo. Gerade wenn eine Beziehung von Hoffnung, Nähe und Rückzug geprägt war, kann Loslassen schwerfallen. Manchmal hält nicht nur die Liebe fest, sondern auch die Hoffnung auf den Moment, in dem endlich alles so wird, wie du es dir gewünscht hast.

 

Vielleicht geht es am Ende gar nicht darum, jemanden zu finden, der dich endlich ganz will.

Vielleicht geht es darum, einen Menschen nicht mehr zum Beweis dafür zu machen, dass du liebenswert bist.

Denn solange du denkst:

„Wenn er mich wählt, bin ich genug“

liegt dein Selbstwert in seinen Händen.

Dann wird seine Nähe zu deiner Beruhigung.

Und sein Rückzug zu deiner Angst.

Vielleicht darf sich die Frage deshalb irgendwann verändern.

Nicht mehr:

„Wie bekomme ich ihn dazu, mich zu wollen?“

Sondern:

„Fühle ich mich mit diesem Menschen gesehen, sicher und willkommen?“

Und vielleicht ist das eine der wichtigsten Fragen überhaupt.

Denn Liebe sollte nicht jeden Tag wie eine Prüfung wirken, die du bestehen musst.

Du musst nicht erst besonders interessant, besonders unkompliziert, besonders geduldig oder besonders verständnisvoll werden, damit jemand sich für dich entscheidet.

Du darfst auch schauen, ob der Mensch, den du so sehr willst, überhaupt jemand ist, bei dem du dich selbst nicht verlieren musst.

Vielleicht beginnt genau dort ein anderes Beziehungsmuster.

Wie dieses Thema mich ganz persönlich betrifft

Beispiel aus der Praxis ein- oder ausklappen

Pass auf, was du dir wünschst.

Ich gehe hier weniger auf emotionale Unverfügbarkeit ein, als auf die Sehnsucht, die manchmal besser unerfüllt bleibt. Denn obwohl ich bindungsängstlich bin, war ich meistens emotional verfügbar. Dennoch war ich fast immer mit Partnerinnen zusammen, bei denen ich mir gewünscht hätte, dass sie weniger emotional aufdringlich sind, oder mir meine Freiheit und Autonomie lassen, die ich so dringend brauche.

Bei dir ist es vielleicht genau andersherum, und du sehnst dich nach Verlässlichkeit, Nähe und echter Verbundenheit. Doch es geht hier gar nicht darum, wonach wir uns sehnen, sondern darum, was passieren würde, wenn unsere Sehnsucht wahr wird.

Denn es hat einen Grund, warum wir uns genau diese Partner aussuchen oder so formen, dass sie in unsere Realität passen. Dieser Grund gibt uns Sicherheit und Kontrolle über unser Beziehungsleben. Er gibt uns ein Gefühl von „hier bin ich zuhause“ in unserer Überzeugung, was wir wert sind, und was wir dafür tun müssen, um nicht verlassen und zurückgewiesen zu werden. Dieser Grund nennt sich Kontrolle.

Kontrolle ist ein psychologisches Grundbedürfnis. Wir brauchen es, in einer Umgebung zu sein, die unser Selbstbild und unser Weltbild bestätigt. Wenn unser Umfeld uns diese Bestätigung nicht gibt, verlieren wir die Kontrolle über unser Dasein. Wir fallen in eine Leere, in der all unsere Überzeugungen falsch zu sein scheinen, und all unsere Schutzstrategien ins Leere laufen.

Glaubst du, du wärst glücklich, wenn all deine Wünsche wahr würden?

Vielleicht ist es so, doch sehr wahrscheinlich nur dann, wenn sich vorher in deinem Selbstbild etwas verändert. Wir haben gelernt, zu fliehen, wenn wir uns nicht abgrenzen können, oder uns zu verbiegen, um etwas Nähe zu bekommen. Wir haben gelernt, die Verantwortung für die Bindung und das Glück des anderen zu übernehmen.

Wenn das plötzlich alles wegfällt, weil wir plötzlich einfach dafür, dass wir „wir selbst“ sind, geliebt und angenommen werden und uns nicht mehr dafür verbiegen müssen, hört sich das einfach wunderbar an. Leider fühlt es sich in den meisten Fällen nicht so wunderbar an. Denn wir brauchen es, verantwortlich zu sein, und für unsere Liebe bis zur Selbstaufgabe zu kämpfen.

Denn es kommt selten darauf an, dass der andere sich ändert. Es kommt vielmehr darauf an, dass du lernst, die Verantwortung für deinen Wert selbst zu übernehmen, statt ihn wie gewohnt vom Verhalten deines Partners abhängig zu machen. Schließlich heißt es nicht umsonst „Selbstwert“.

Dein gewohntes Selbstbild infragezustellen, und dich selbst so anzunehmen, wie du bist, ist deine wichtigste Aufgabe. Alles andere folgt dem ganz von selbst nach.

Wie ich lernte, mich selbst zu mögen

Ich dachte immer, dass ich mich schon weitestgehend mag. Zumindest redete ich mir das lange Zeit ein. Doch als ich mich nach einer Trennung intensiv mit mir beschäftigte, fiel mir auf, dass ich genauso tickte, wie meine Eltern und meine Partnerinnen. Ich liebte mich nicht bedingungslos, sondern es standen Hunderte „Wenn“ im Raum. Nur wenn ich so bin, oder wenn ich jenes vermeide oder verstecke, bin ich gut genug.

Introjektion ist der Fachbegriff, wenn wir die Werte, Normen und Botschaften von anderen so tief übernehmen, dass sie unsere innere Wahrheit werden. Früher haben mir Eltern und Partnerinnen vermittelt, wie ungenügend ich bin, oder welche Bedingungen ich erfüllen muss, um angenommen zu werden. Später redete ich mir das ganz alleine ein.

Also fing ich an, mich trotz meiner vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu mögen, und ich wusste genau, wie das geht. Schließlich fiel es mir bei anderen immer sehr leicht, sie zu lieben, obwohl sie unperfekt und schrullig sind. Und ich verzieh ihnen mit Leichtigkeit die meisten Fehler. Bei mir fiel es mir dennoch ungleich schwerer.

Eine einfache Frage drückt es prägnant aus: „Wie könnte ich glauben, dass ich um meiner selbst geliebt werde, wenn ich mich selbst nicht lieben kann, wie ich bin?“ Es lohnt sich, sich für einige Minuten auf diese Frage einzulassen. Nach und nach sah ich mich deshalb mehr aus der Perspektive eines guten Freundes, statt aus der meines größten Kritikers.

Ich nahm meine unterdrückten Bedürfnisse und Gefühle wieder mehr wahr, und praktizierte Selbstfürsorge. Ich übernahm die Verantwortung für mein Glück und mein Wohlsein, und entwickelte eine Selbstwirksamkeitsüberzeugung, die ich vorher nie kannte.

Es ist nun nicht mehr so wichtig, dass andere mich gut finden, oder wie sie sich mir gegenüber verhalten. Weil ich selbst mich gut finde und gut mit mir umgehe. Mein Selbstbild hat sich gewandelt, und damit auch die Menschen, die in mein Leben finden.

Reflexion

  • Glaubst du, du bist glücklich, wenn dein Partner endlich so ist, wie du es dir wünschst?
  • Was würde wirklich passieren, wenn du nicht mehr für die Liebe kämpfen müsstest?
  • Glaubst du, dass du um deiner selbst geliebt werden könntest?
  • Liebst du dich selbst bedingungslos?
  • Was würde sich verändern, wenn dein Wert nicht mehr vom Verhalten deines Partners abhängt?
 

Mach dir deine Beziehung schön,

Dein Uwe

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